

Der Anfang
Es war Zufall, dass ich ausgerechnet um den Jahreswechsel Dezember 2025/Januar 2026 in meiner allerersten eBay-Live-Auktion landete. Dabei werden Produkte live angeboten, und die Zuschauer können direkt gegeneinander bieten. Oder vielleicht war es doch nicht ganz so zufällig, denn eBay begann plötzlich auffällig dafür zu werben, und ich klickte auf eine Ankündigung. eBay Live gibt es bereits seit Mitte 2022 und begann vor allem als Nische innerhalb von eBay für Collectibles wie Trading Cards. Erst 2026 scheint sich die Plattform wirklich zu einem großen eigenständigen Bereich innerhalb eBays entwickelt zu haben. Inzwischen ist eBay Live in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Australien, Frankreich, Italien und Kanada aktiv.
Während eBay Live derzeit explosiv wächst, habe ich inzwischen mehr als acht Monate lang beobachtet, was sich innerhalb einer solchen erfolgreichen amerikanischen Live-Community tatsächlich abspielt. Ende Dezember 2025 klickte ich auf die Show-Ankündigung eines gewissen OG Jewelers in Miami, Florida. OG Jewelers wird in den Live-Shows von Auktionator Diego vertreten. OG Jewelers ist seit Dezember 2021 bei eBay registriert. Seitdem habe ich bis zur Veröffentlichung dieses Blogs schätzungsweise mindestens 700 Stunden von Diegos eBay-Live-Sendungen verfolgt, möglicherweise erheblich mehr. Ich war eine äußerst treue Zuschauerin, und seine Lives gingen bis tief in die Nacht hinein.
Diego scheint unermüdlich zu sein, ein Fass voller funkelnder Explosivstoffe. Mein Eindruck ist, dass OG Jewelers in Gestalt von Diego (mit Assistenten) irgendwann im Jahr 2025 mit eBay Live begonnen hat. Als ich mir zum ersten Mal die eBay-Live-Seite von OG Jewelers ansah, waren dort auch einige Dutzende bereits ausgestrahlte Shows aufgelistet; meinem Eindruck nach waren es sämtliche Shows, die bis dahin stattgefunden hatten. Damals konnte man sie einfach noch einmal ansehen. Ich klickte mehrere davon an und war jedes Mal aufs Neue von Diegos enormer Routine überrascht. Seit einigen Monaten werden diese Playbacks nicht mehr angeboten. Käufer erhalten nur noch einen Video-Receipt mit den Minuten rund um ihren eigenen Kauf; solche bekam ich selbst auch, als ich ein paarmal etwas kaufte. Monate später scheinen jedoch selbst diese Video-Receipts nicht mehr zu funktionieren. Was allerdings als Neugier auf einen außergewöhnlich charismatischen Verkäufer begann, entwickelte sich für mich zu einem monatelangen Einblick in eine Welt, in der Entertainment, persönliche Nähe und knallharte Geschäftemacherei ständig ineinander überzugehen scheinen. Eine menschliche Soap innerhalb der eBay-Live-Welt, bei der allmählich die Frage aufkam, ob überhaupt jemandem etwas vorzuwerfen ist — und wenn ja, wem.
Gemessen an den Teilnehmerzahlen gehört OG/Diego bei Live nicht zu den größten Playern: In der Regel schauen etwa 20 bis 200+ Personen zu. Sein Kollege Mr Wikd, ein Uhrenauktionator, zieht beispielsweise deutlich größere Zahlen von etwa 250 bis 1.000+ Teilnehmern an, versteigert jedoch nur einmal pro Woche, montags, in fünf- bis sechsstündigen Shows. OG/Diego versteigerte anfangs sogar an sechs Tagen pro Woche; inzwischen sind es zwei- bis dreimal wöchentlich. Seine Live-Shows dauern häufig etwa fünf Stunden und manchmal noch länger. Bei beiden eBay-Live-Sellern geht es um große Summen, mit Verkaufspreisen von unter $100 bis hin zu Spitzenpreisen von $50K für seltene Uhren.
Als ich zum ersten Mal einschaltete, landete ich mitten in einer von Diegos Shows, und zu diesem Zeitpunkt verkaufte er Silberketten. Kurz vergessend, dass es so etwas wie Etikette gibt (eine typische Schütze-Eigenschaft, für die Nicht-Skeptiker unter uns), äußerte ich mich im Chat schon bald kritisch über die enorm hohen Preise, zum Beispiel rund 200 Dollar für eine Silberkette, die ich für ziemlich durchschnittlich hielt. Zu meiner Überraschung bemerkte ich bei der nächsten Show, die ich besuchte, dass ich im Chat offenbar auf mute gesetzt worden war, denn niemand reagierte mehr auf mich, und offenbar las auch niemand meine Nachrichten. Wenn ich jedoch mitbieten wollte, ging das problemlos: Mein Name erschien ganz normal unter den Bietern.
eBay Live von eBay selbst erklärt
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Showmaster Diego
Bevor ich die Geschichte fortsetze, möchte ich kurz erklären, warum ich in den darauffolgenden Monaten wie festgeklebt an meinem iPad hing und so buchstäblich Hunderte Stunden von Diegos eBay-Live-Shows miterlebte. Diego zieht unglaublich durch: he is hustling hard. In den ersten eBay-Live-Monaten machte er noch alles allein und hielt bis in die frühen Morgenstunden Floridas durch (Kalifornien liegt drei Stunden hinter Florida; dort ist es also drei Stunden später). Seine Shows dauerten oft rund fünf Stunden, und ich verfolgte regelmäßig so gut wie die gesamte Show. Die meisten seiner eBay-Live-Shows endeten für mich damals gegen halb eins nachts oder noch später und für ihn somit gegen halb vier morgens (oder später). Bei Diego ist man jedenfalls gut beschäftigt, das muss man ihm lassen, und ich bin damit keineswegs allein. Es ist geradezu süchtig machend, eine Art virtuelle Mischung aus Jahrmarkt und Wohnzimmer: Ständig passiert etwas, nach einer Weile kennt man die Stammgäste, und ehe man sich versieht, sind schon wieder Stunden vergangen.
Als Diego zu eBay Live kam, war er alles andere als ein Anfänger. OG Jewelers war jedenfalls bereits seit 2023 auf Whatnot aktiv, einer Plattform, die weitgehend auf Live-Verkäufen aufgebaut ist. Dort hatte Diego über Jahre hinweg nahezu denselben rasanten und auffallend routinierten Präsentationsstil entwickelt, den er später zu eBay Live mitbrachte. Auch Elemente, die ich zunächst für typisch für seine eBay-Shows hielt — La Familia, Mystery Boxes, Giveaways und sogenannte Breaks — gab es dort bereits. Dazu später in diesem Blog mehr. Inzwischen hat OG Jewelers auf Whatnot rund 117.000 Artikel verkauft, mehr als 25.000 Reviews gesammelt und über 130.000 Follower. Wer sich alte Clips ansieht, erkennt sofort, woher Diegos enorme Routine kommt: eBay Live war nicht der Beginn seiner Live-Verkaufskarriere, sondern vielmehr die nächste Bühne. Auch auf eBay ist OG Jewelers erfolgreich. Der Account besteht seit Dezember 2021, hat rund 15.000 Artikel verkauft und mehr als 13.100 Feedback-Bewertungen gesammelt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogs liegt das positive Feedback bei 99,3 %.
In meinen Augen ist Diego damit beinahe eine menschliche Verkaufsmaschine.

Diego. Standbild aus einem von OG Jewelers selbst veröffentlichten Whatnot-Clip
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Blogs waren Diegos Shows auf nur noch wenige Male pro Woche zurückgegangen. Dieser Blog beschreibt eine Geschichte, die sich fortlaufend weiterentwickelte. Meine Erzählung setzt ungefähr auf dem Höhepunkt von „Diegos eBay-Live-Kurve“ ein.
Diego von OG Jewelers erwies sich als der absolute Showmaster — und ist es bis heute — mit einer Stimme wie ein Donnerhall, die selbst Elvis himself in nichts nachsteht, und nein, ich übertreibe nicht einmal. Diego singt auch regelmäßig, lacht, macht sehr witzige und schlagfertige Bemerkungen und wickelt jeden um den Finger, ob Mann, Frau oder genderneutrale Person.
Aus beruflicher Deformation machte ich mich natürlich sofort daran herauszufinden, mit wem ich es hier eigentlich zu tun hatte, und ich fand The Man auf dem Instagram-Account von OG Jewelers, wo ich ihn anhand des Aussehens seiner Hand und des Schmucks, den er darauf und daran trug, identifizieren konnte. Diego hatte für mich nun ein Gesicht bekommen, obwohl er sich noch viele Monate danach auf eBay Live sorgfältig nicht zeigte, obwohl die Leute durchaus hin und wieder danach fragten. Erst ab August 2026 erschien er manchmal ganz bewusst selbst im Bild. Ich nannte ihn im Chat auch einmal bei seinem Vornamen, bekam dafür aber nur einen milden Hinweis, dass ich keine persönlichen Details nennen dürfe (damals war ich wieder von mute herunter; dazu gleich mehr). Ich war jedoch keineswegs die Einzige, die seinen Vornamen nannte. Auch in eBay-Bewertungen erwähnen manche ihn beim Vornamen. In der ersten Show, die ich von ihm sah, scherzte er, er sei 82 Jahre alt, und ich, noch völlig ahnungslos darüber, wer hier eigentlich sprach (und auch etwas autistisch, denn: alles wörtlich nehmend), dachte, das könne vielleicht tatsächlich stimmen — allerdings hätte er dann erstaunlich junge Hände gehabt. Angesichts seines Showtalents würde ich ihm allerdings ohne Weiteres 82 Jahre Erfahrung zugestehen. Ich fragte ihn im Chat gelegentlich etwas, aber er wich allen persönlichen Fragen aus, und ich schätze ihn auf etwa 32 bis 35 Jahre.
Diego präsentierte sich zunächst gesichtslos als ein Mann mit einer hallenden, full-male Stimme, vor der man durchaus Respekt hat, und makellosen Händen, auf denen teurer Schmuck glänzt. Ich habe noch nie auch nur ein winziges Schmutzteilchen an seinen rosigen Nägeln und Fingern gesehen, und genau diese Hände sind ständig im Bild, wenn er für eBay Live Gold, Silber, Diamanten und mehr präsentiert.

Der erste Kauf — und dann noch zwei weitere
Ich stand also auf mute, was mich ziemlich ärgerte. Plötzlich beschloss Diego, auch seinen silbernen Stitch-Anhänger mit Emaille zur Auktion zu bringen, und aus einem Impuls heraus bot ich darauf. Obwohl der Anhänger für 89 Dollar an mich verkauft wurde, war ich am Ende etwas mehr als 107 Dollar los, inklusive Shipping und Tax. Danach kaufte ich noch einmal ein silbernes Kettchen, das mich etwas mehr als 60 Dollar kostete, und Candy für $7.56, versehen mit Diegos handgeschriebenem „OG♡U“ in Sharpie. Denn jawohl: Dass Diego eine ganz eigene Figur war, zeigte sich an vielerlei Dingen. So verkaufte er hin und wieder auch Candy, wenn er fand, dass ein bestimmter Artikel zu wenig eingebracht hatte. Da ich in derselben Session bereits ein Kettchen gekauft hatte und das Shipping für jeden weiteren Artikel nur noch $1 kosten würde, bot ich auf die Candy. Nach diesen drei Käufen habe ich nichts mehr gekauft. Aber bei meinem allerersten Kauf, dem Stitch, hatte Diego bemerkt, dass mit mir als Käuferin etwas Besonderes war: Ich stand auf mute!
Inzwischen folgte ich OG — beziehungsweise Diego; er verwendet den Namen OG auch für sich selbst, obwohl es eigentlich der Name des Juweliergeschäfts ist — auf Instagram und war in seine DMs gegangen. Dort erklärte ich ihm, dass ich im eBay-Live-Chat nichts sagen konnte, weil er mich gemutet hatte, und dass ich auch glaubte zu wissen, warum: Schon beim allerersten Mal, als ich seine Show besuchte, hatte ich mich kritisch über die Preise geäußert. Dafür entschuldigte ich mich. Diego wirkte wie ein heranfliegender Engel, der telepathisch sofort wusste, dass ich gerade im Instagram-DM-Chat saß. Selbst mitten in seiner Show antwortete er mir dort sofort. Ich wurde von mute heruntergenommen, und alles war — oder schien — wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Ich hatte augenblicklich ein seltsam vertrautes Gefühl, als würde ich ihn schon seit Jahren kennen (wer weiß, falls es frühere Leben gibt). Ich wurde im Live-Chat wieder gesehen!

Diese Sätze können die Stammgäste von Diegos eBay Live buchstäblich im Schlaf aufsagen, denn sie wurden wortwörtlich Tausende — Zehntausende — Male wiederholt. Eine kleine Anthologie.
„Opfer“ seines eigenen Erfolgs: „La Familia“
Diego nennt seine eBay-Live-Community liebevoll „La Familia“ und betont, dass jeder in seinem OG-Jewelers-Chat zur „OG Familia“ gehört. Das hindert ihn allerdings nicht daran, seine familia ohne mit der Wimper zu zucken den Höchstpreis zahlen zu lassen. Bei meinen weiteren Recherchen zeigt sich immer wieder, dass Artikel, die er als besonders wertvoll präsentiert, auf eBay selbst oder anderswo im Internet — teilweise exakt dieselben Produkte — für einen Bruchteil seines Preises angeboten werden, zum Beispiel für die Hälfte oder sogar nur ein Fünftel. Das gilt etwa für silberne Disney-Anhänger, die ich auch anderswo fand, und für Invicta-Uhren, nur zwei Beispiele aus einem sehr viel größeren Sortiment. Dass ich offenbar zu den wenigen gehöre, die vor einem Kauf immer erst recherchieren, wurde mir schon bald klar. Viele seiner Käufer, vor allem die meiner Einschätzung nach bewundernden männlichen Kunden vom Macho-Typ „hat viel Geld und will das auch zeigen“, zahlen in seiner Live-Show bereitwillig hundert Dollar oder sogar Tausende Dollar mehr für exakt denselben Silberanhänger oder exakt dieselbe Uhr, als anderswo auf eBay oder im Internet verlangt wird.
In diesem Blog geht es also ausdrücklich nicht um einen kleinen Verkäufer mit einem Jahresumsatz von $1.000 auf eBay, sondern um ein Unternehmen, dessen jährlichen Umsatz ich auf Millionenhöhe schätze und das allein über eBay vermutlich mehrere Hunderttausend Dollar pro Jahr einnimmt. Das kann auch kaum anders sein, denn OG handelt mit Gold, Silber, natürlichen und lab-grown Diamanten, den sogenannten Moissanit-„Diamanten“, AP-, Rolex- und Breitling-Uhren und vielem mehr, das alles zum höherpreisigen Segment gehört. Für diejenigen, die mehr über Moissanit wissen möchten: Streng genommen ist Moissanit selbst kein Diamant, sondern Siliziumkarbid, ein anderes Mineral, das einem Diamanten optisch stark ähneln kann. Bei einem einfachen thermischen Diamanttester kann Moissanit durchaus als Diamant erkannt werden, doch Geräte, die mehrere Eigenschaften messen, können den Unterschied besser feststellen.
Hier muss allerdings gleich ein mildernder Umstand erwähnt werden, denn eBay selbst macht mit einem eBay-Live-Seller wie OG Jewelers meiner Meinung nach unverschämt gute Geschäfte — allein schon dafür, dass dieser die Plattform nutzt. Der Seller muss einen beträchtlichen Teil seiner Einnahmen an eBay abführen. ChatGPT fasst das für uns zusammen:
Bei einem US-amerikanischen eBay-Live-Verkauf führt ein Seller wie OG Jewelers verschiedene Gebühren an eBay ab. Für die meisten Kategorien berechnet eBay 6 % Verkaufsprovision auf den gesamten Verkaufsbetrag, zuzüglich 2,9 % für die Zahlungsabwicklung und einer festen Transaktionsgebühr von $0,30 pro Bestellung. Zusammengenommen bedeutet das also, dass normalerweise 8,9 % des gesamten Verkaufsbetrags an eBay gehen, plus 30 Cent pro Bestellung. Die Verkaufsprovision von 6 % ist außerdem auf $100 pro verkauftem Artikel gedeckelt. Bei einer mehr als fünfstündigen OG-eBay-Live-Show, in der zahlreiche Produkte verkauft werden — die meisten immerhin für über hundert und regelmäßig auch für mehr als tausend Dollar — geht es somit in jedem Fall um beträchtliche Summen, sowohl für OG selbst als auch für eBay.
Aber trotzdem fasse ich mir regelmäßig an den Kopf. So verkauft er zum Beispiel winzige silberne Ohrstecker mit einem einzelnen Stein, erhältlich in verschiedenen Farben. Gemessen an der Menge des verwendeten Rohmaterials kann ihr Wert nicht besonders hoch sein. Ich behaupte übrigens nicht zu wissen, welchen Anteil OG Jewelers tatsächlich selbst herstellt und welcher möglicherweise doch von anderswo stammt, etwa aus Massenproduktion. Aber diese Ohrringe tauchen so häufig auf, dass ich vermute, dass sie in größeren Stückzahlen eingekauft oder produziert werden.
Iced-out ist ihre mit Abstand größte Spezialität: Gemeint ist damit das Besetzen von Ohrringen, Armbändern, Ketten, Uhren, Anhängern und so weiter mit zahlreichen kleinen Steinen, wobei bei den teuersten Ausführungen echte Diamanten verwendet werden können, sehr kleine oder größere, während bei günstigeren Varianten andere Steine zum Einsatz kommen. Das machen sie bei fast all ihren Ketten, Pendants, Armbändern und Ringen und zum Beispiel auch häufig bei Vintage-Rolex-Uhren, bei denen unter anderem die Lünette mit Diamanten besetzt wird. Diese individuell nachbearbeiteten Vintage-Rolex-Uhren kommen dadurch bei eBay nicht mehr für die Authenticity Guarantee infrage. Der Kunde erhält bei einer solchen iced-out-Nachbearbeitung also nicht die Echtheitsprüfung über dieses Programm, die bei einer dafür qualifizierten, nicht individuell veränderten Uhr möglich wäre.
Auf dem heutigen Diamantenmarkt, auf dem lab-grown Diamanten die Preise und die Wertwahrnehmung natürlicher Diamanten deutlich unter Druck gesetzt haben, sind natürliche Diamanten („natural, earth-mined diamonds“, in Diegos Worten), lab-grown Diamanten, Moissanit, simulated diamonds und andere Steine für den durchschnittlichen Käufer außerdem oft nur schwer voneinander zu unterscheiden. Gerade deshalb ist es wichtig, dass genau angegeben wird, welche Steine in einem Schmuckstück verarbeitet wurden. Diego erwähnt das in der Regel auch gewissenhaft: „This goes through the diamond tester and goes beep, beep, beep!“, wenn er zum Beispiel über Moissanit spricht. Der durchschnittliche Käufer hat während einer solchen Live-Show jedoch keine direkte Möglichkeit, selbst zu überprüfen, ob ein Stein tatsächlich das ist, als was er beschrieben wird, und muss sich daher in erheblichem Maße auf die Angaben des Verkäufers verlassen. Simulated diamond ist übrigens keine bestimmte Steinart, sondern ein Sammelbegriff für Materialien, die das Aussehen eines Diamanten nachahmen, etwa Cubic Zirconia, Glas oder andere farblose Steine. Der Käufer sieht sich so mit einer schwindelerregenden Vielfalt rund um das Thema „Diamant“ konfrontiert — von „natürlichen Diamanten“ und „lab-grown Diamanten“ über „Moissanit“ bis hin zu „simulated diamonds“. Nur ein Bruchteil der Käufer wird seine Schmuckstücke oder Uhren mit welcher Art von „Diamanten“ auch immer nach Erhalt zu einem örtlichen Juwelier bringen, um sie unabhängig testen zu lassen.
Diego scherzte einmal während seiner eBay-Live-Show, als es im Winter Anfang 2026 im Osten der USA eine enorme Kältewelle gab, diese sei dadurch verursacht worden, dass OG Jewelers so viel iced-out-Schmuck per Post verschicke. Damit hatte er die Lacher wieder auf seiner Seite. Die meisten ihrer Schmuckstücke enthalten also irgendeine Form von ice-out; selbst der Stitch, den ich gekauft habe, hat ein „iced-out“ Bäuchlein.

Zurück zu diesen Ohrringen. Diego verkaufte und verkauft sie sowohl einzeln als auch — vor allem gegen Ende seiner Shows, als „Belohnung“ — in ganzen Boxen mit jeweils zwölf Paaren. Umso größer war meine Überraschung, als eine solche komplette Box mit zwölf Paaren in all den verschiedenen Farben mehrmals für rund 78 Dollar verkauft wurde, während in einer späteren Show buchstäblich ein einziges Paar daraus für mehr als 80 Dollar über den Tisch ging. In einer aktuellen Show im September 2026 wurde es sogar noch kurioser, als OG/Diego die gesamte Box für $48 verkaufte.
Diego versteht es, seine Kunden mit seinem Charme, seinem Charisma und seinen lobenden Worten derart in Begeisterung zu versetzen, dass die Leute, mit Dollarzeichen, Herzchen oder beidem in den Augen, blind den absoluten Höchstpreis für ein Paar winziger Ohrringe bezahlen, das in einem gewöhnlichen Ladengeschäft vielleicht einen realistischen Verkaufswert von höchstens $15 hätte. Der eben erwähnte Kunde, der also nur ein einziges Paar kaufte, zahlte am Ende insgesamt etwa 102 Dollar — Shipping und Tax kamen schließlich noch hinzu — für ein Paar mit einem geschätzten Ladenwert von $15.
Aber es geht noch weiter. In diesen Hunderten Stunden Showtime habe ich so viele Verkäufe an ein und dieselben Kunden gesehen, dass mir schwindelig wurde. So weit reicht Diegos Charme, dass er ein und derselben Person ganz unbekümmert exakt dieselben Ohrringe, Uhren und was weiß ich noch alles erneut verkaufte. Mit anderen Worten: Die Leute wurden derart aufgeputscht, dass sie Dinge, die sie längst zu Hause hatten — oft bereits bei ihm gekauft, manchmal sogar mehrfach — einfach immer und immer wieder kauften. Nehmen wir etwa die berüchtigten Mass-Market-Uhren von Invicta: Auch die kauften sie immer wieder. Während exakt dieselben Invicta-Uhren beispielsweise von Invicta (!) selbst für 25 oder höchstens 50 Dollar neu online verkauft werden, zahlten sie Diego/OG bereitwillig fast 200 Dollar dafür.
Einige Leute im Chat, die etwas „wacher“ waren, machten darüber gelegentlich ziemlich bissige Witze, und manche von ihnen wurden gebannt. Ich selbst äußerte keine Kritik mehr, weil ich nicht erneut gemutet oder gebannt werden wollte (wurde aber trotzdem immer wieder gemutet — nie gebannt; dazu später noch etwas mehr). Doch Diego ließ sich nicht beirren. Währenddessen zahlte ein Kunde für eine solche massenproduzierte Invicta-Uhr mitunter 150 Dollar mehr, als sie anderswo kostete.
Und warum taten — und tun — diese Kunden das während der Auktionen? Da spielt sich etwas im Gehirn ab, das sagt: Ich will das haben, und du bekommst es nicht. Hinzu kommt aber auch, dass sie von dem legendär guten Verkäufer Diego aufgeputscht werden, und sogar … sich in den Verkäufer verlieben. Jawohl. Viele erwachsene und reiche Kerle — oder zumindest reich an Kreditkarten — riefen und rufen Diego in seinem Chat regelmäßig zu: „I love you.“ Es ist alles liebevoll „Bro“ und „Buoy“ (mit dieser coolen uo-Aussprache), und sie meinen es ernst. Diego ist dabei immer sehr aufmerksam und ruft zurück: „WE love you too.“ Nur selten heißt es: „I love you too.“ Diego behält den Kopf auf den Schultern — er jedenfalls.
Doch die Dinge begannen aus dem Ruder zu laufen. Diego wurde allmählich zu einem „Opfer“ seines eigenen Erfolgs. „Mysterious Lady“ war ein Beispiel dafür. Ich habe alle echten eBay-Namen leicht verändert, damit die Privatsphäre gewahrt bleibt; den Stammgästen in Diegos Chat wird allerdings klar sein, wen ich meine. Ich werde nur einige wenige Beispiele von Kunden nennen, die sich bei Diego in over their heads wiederfanden. Darunter waren sowohl Männer als auch Frauen.
Bei der Darstellung von „Mysterious Lady“ habe ich mich für die vollständigen Screenshots entschieden, damit auch Datum und Chronologie sichtbar bleiben:









Mysterious Lady
Eine der Personen, die einfach immer weiterkaufte, selbst wenn sie längst alles zehnmal hatte, war Mysterious Lady [Name leicht verändert]. Ich war ohnehin fast jeden Abend während der gesamten Shows dabei und sah mit an, wie sich das Ganze wie ein dramatisches Theaterstück entfaltete. Ihren eigenen Angaben zufolge war sie Krankenschwester und arbeitete ziemlich lange (Nacht-)Schichten. Mit jemandem, den ich hier Snowgal nennen werde [Name ebenfalls leicht verändert], war sie ein Herz und eine Seele.
Mysterious Lady schien einen ziemlich deutlichen Crush auf Diego entwickelt zu haben, und um ihn dazu zu bringen, ihren Namen ständig zu rufen und durch die Show schallen zu lassen, kaufte sie einfach immer weiter. Einmal telefonierten die beiden sogar mitten in der Sendung live miteinander, und danach stieß er einen Urschrei aus, als wäre er der glücklichste Mann der Welt. Aber es begann aus dem Ruder zu laufen. Sie verlangte immer mehr Aufmerksamkeit und forderte sogar, dass er ihr außerhalb der Show textete und sie anrief. Er versuchte, sich darum immer ein wenig herumzureden, oder sagte, dass er ihr tatsächlich eine Nachricht geschickt habe — aber dann war es „nur“ über eBay gewesen, nicht an ihre private Nummer. Die Stammgäste wussten zwar, dass er verheiratet war und Kinder hatte — eines der wenigen persönlichen Dinge, die er gelegentlich erzählte — und es gab regelmäßig Wortwechsel zwischen Diego und Leuten im Chat, doch das tat der Sache offenbar keinen Abbruch.
Zu meiner Überraschung ließ Diego sich selbst immer stärker darauf ein, als sich zeigte, dass sie wirklich fast jeden Abend für viele Hunderte Dollar weiterkaufte — in meinen Augen alles Unsinn, etwa endlos viele derselben Ohrringe in verschiedenen Farben, Silberketten in allen möglichen doppelten Größen und sogar doppelt gekaufte Invicta-Uhren. Natürlich wollte er seine gute Kundin nicht verlieren, doch nun zahlte er selbst ganz offensichtlich einen Preis völlig anderer Art. Er begann sie in der Show sogar seine „Internetwifie“ zu nennen, und das war für mich der Moment, an dem das kein lustiges Spielchen mehr sein konnte. Diego wirkte nun auch merklich nervöser in Bezug auf sie — jedenfalls war das meine Beobachtung. Und irgendwann war wirklich Schluss. Eines Tages kam sie wieder in die Show, und Diego sagte: „Du bist hier nicht mehr willkommen“, und warf sie aus dem Chat. Sie hatte gerade noch etwas in der Art von „WTF, das kannst du doch nicht mit mir machen“ in den Chat rufen können — als wäre das bei ihr als sehr hochwertiger Premiumkundin tatsächlich undenkbar. Einige Shows später bestätigte er auch, dass er sie gebannt hatte.
Ab diesem Zeitpunkt oder kurz danach kam es zu einem Kurswechsel. Die Show lief nicht mehr nahezu jeden Tag, und plötzlich brachte er zwei neue Verkäufer mit ins Spiel: Lino (eine Frau) und Logan (ein Mann). Anfangs stießen die beiden jedoch auf regelrechten Unwillen bei den Leuten, die nun einmal so verrückt nach Diego waren, und was die Verkaufsleistung anging — also schlicht, wie viele Dollar sie hereinholen konnten — kamen sie nicht einmal in die Nähe seines Schattens. Da war der erste große Riss in der Magie.
Snowgal
Snowgal war, wie gesagt, eng mit Mysterious Lady befreundet, und einmal nannte sie im Chat sogar ihren vollständigen eigenen Namen und sagte, dass sie auf Facebook sei. Das sagte sie nicht zu mir, aber aus beruflicher Deformation machte ich mich natürlich sofort auf die Suche. Und tatsächlich: sofort gefunden. Snowgal lebte, wie sich herausstellte, genau wie ich in Kalifornien und schien ebenso wie ich zu den Menschen zu gehören, die irgendwie „zwischen zwei Jobs“ oder beruflich schwer einzuordnen sind. Neben mir selbst ist sie so ziemlich die Einzige, die von Anfang an dabei war und blieb. Genau wie für mich war das für sie Zeitvertreib, und genau wie ich hatte auch sie nur im ersten Monat beziehungsweise in den ersten Monaten ein paarmal etwas gekauft.
Zwischen ihr und Diego gab es ständig eine merkwürdige Kommunikationshürde. Sie war sehr präsent — im Gegensatz zu mir; ich sagte fast nie mehr etwas, ich war einfach da — und verhielt sich, als wäre sie bei OG Jewelers angestellt und dafür zuständig, den „Chat in geordneten Bahnen zu halten“. Obwohl Diego das manchmal durchaus zu schätzen schien, ging offenbar auch sie ihm zunehmend gewaltig auf die Nerven, denn sie wurde ständig gemutet. Im Gegensatz zu mir schien — und scheint — sie einfach nicht zu verstehen, dass auch der Mensch Diego seine Nerven und seine Grenzen hat, und sie fragte immer wieder, warum sie schon wieder auf mute stand.



Diego hatte inzwischen nämlich auch eine „VIP-WhatsApp“-Gruppe gestartet, und dort fragte sie dann, warum sie in der Show nicht gehört und gesehen werde. Und manchmal war sie wieder im Chat und sprach dann über die Zeit davor, in der sie offenbar auf mute gestanden hatte. Daraufhin schickte ich ihr über WhatsApp eine DM und schrieb, dass Diego auch mich ständig mutete und was meiner Meinung nach der Grund dafür war. Denn auch ich bemerkte, dass die wenigen Sätze, die ich überhaupt noch schrieb, nur gelegentlich durchkamen. Bei seinen Stellvertretern Lino & Logan — denn genau das waren und sind sie; sie wurden einfach nie zu vollwertigen Verkaufsstars wie Diego — kam ich noch eine Weile im Chat durch, doch danach ging es mit dem Muten wieder bergab. Und ich sagte wirklich nichts Besonderes und ohnehin fast nie mehr etwas.
Aber offenbar hatte ich bei Diego einen Nerv getroffen, und Diego mutete, wie ein echter launischer König auf seinem Thron, links und rechts — er war immer dabei, auch wenn Lino & Logan die Show machten — Snowgal, mich und auch andere Leute. Die VIP-Gruppe auf WhatsApp erwies sich als kein Erfolg und blieb bei etwas über 80 Mitgliedern hängen. Als sich zeigte, dass unzufriedene Kunden nicht nur gelegentlich im Chat während der Live-Shows, sondern auch im VIP-Chat ihrem Ärger Luft machten, wurden dort die Regeln stark verschärft und nur noch Admins durften Nachrichten posten. Auch dort wurde mute also als Mittel eingesetzt.
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Blogs bin ich noch immer nicht hinausgeworfen worden: weder aus OG Jewelers Live noch aus der „VIP“-Gruppe. Diego hatte mich auch nie aus der Show gebannt und wusste sehr wohl, dass ich da war, denn sowohl er selbst als auch Informationen von eBay zeigten, dass Seller sehen können, welche Namen im Chat anwesend sind. Gegenüber anderen ließ er jedoch nie wieder erkennen, dass er mich sah; ich wurde „nur“ toleriert.
Snowgal reagierte nie auf meine WhatsApp-Nachricht und verließ die Gruppe später wieder — sie kam mehrmals zurück und trat dann erneut aus. Offenbar glaubte sie weiterhin, dass hinter Diegos Verhalten keine persönliche Irritation über sie steckte, während es für mich völlig offensichtlich war, dass er sie zumindest häufig als Klotz am Bein empfand. Genau wie ich war sie für Diego finanziell nur ein peanut, aber auch das schien sie nicht zu begreifen, denn mit einem meiner Meinung nach unangebrachten Gefühl von Autorität bezeichnete sie sich selbst als „Stammkundin“. Doch genau wie ich hatte sie insgesamt vielleicht knapp 200 Dollar ausgegeben; für Diego ist das eher ein afterthought.
Soweit es in den Shows und in der WhatsApp-Gruppe sichtbar und belegbar war, sagte Diego ihr nie klipp und klar, dass sie sich im Chat nicht so als Einmischerin aufspielen solle oder etwas in dieser Art. Was außerhalb des sichtbaren Geschehens oder hinter den Kulissen sonst noch zwischen ihnen gesagt wurde, weiß ich selbstverständlich nicht. Sie konnte auch Männern im Chat gegenüber ziemlich bissig werden und schien dann nicht zu begreifen, dass Diego seine wirklich wichtigen Kunden bei Laune halten wollte.
Einer der Männer, mit denen sie in Diegos Chat aneinandergeriet, schenkte ihr nach der Versöhnung über eBay Live — und damit während Diegos Show — allerdings einen Hamsa Hand Pendant 925 Fine Silver, der auf OGs Website derzeit für $300 angeboten wird. Der Preis, der damals im Chat dafür genannt wurde, lag — aus dem Gedächtnis — irgendwo bei $175 bis $200, und sie nahm das Geschenk auch an.
So zeigt sich, dass auch La Familia ihre Grenzen hat, doch gerade Diego selbst sorgt als Erster für Unklarheit darüber, wo diese Grenzen eigentlich verlaufen. Er sucht ausdrücklich Nähe, fördert Beteiligung und zeigt den Leuten öffentlich viel Wertschätzung — etwa indem er ihre Namen immer wieder ruft und sie als Stammgäste anerkennt —, während er dieselben Personen gleichzeitig manchmal mutet oder auf andere Weise ausbremst, ohne offen deutlich zu machen, warum. Das verleiht seiner Rolle etwas von einem Janusgesicht: Auf der einen Seite lockt und belohnt er Beteiligung, auf der anderen lässt er nicht immer erkennen, wann genau diese Beteiligung ihn zu irritieren beginnt oder ihm zu viel wird. Damit liegt die Verantwortung für das, was innerhalb seiner familia aus dem Ruder läuft, keineswegs allein bei dem betreffenden „Familienmitglied“.
Jiu-Jiu
Nach ein paar Monaten war mir völlig klar, dass viele Leute, vor allem Männer, Diego zuriefen, dass sie ihn liebten — und das wahrscheinlich auch aufrichtig meinten, und zwar nicht nur als Juwelier —, Diego selbst jedoch vor allem eine Rolle spielte. Ich schließe nicht aus, dass manche seiner Kunden Diego durchaus sympathisch oder sogar lieb waren oder sind, doch was sie offenbar nicht bemerkten, war, dass er stets eine gewisse Distanz wahrte. Mehrmals erzählte er dem Chat auch, dass manche Leute Hunderttausende Dollar bei OG ausgegeben hätten, dass aber Schluss sei, „wenn sie anfingen, ihn zu bedrohen“. So hatte er einen sehr reichen Stammkunden, der plötzlich mit der Forderung gekommen war, das Gekaufte müsse noch am selben Tag verschickt werden, verbunden mit einer Aussage darüber, was passieren würde, falls dies nicht geschähe, die als Drohung aufgefasst werden konnte. Daraufhin hatte Diego diesen Kunden, der Hunderttausende Dollar bei ihm ausgegeben hatte, gebannt und als Kunden ausgeschlossen.
Jiu-Jiu [Name geändert, für Leute aus dem Chat aber noch erkennbar] war ein solcher sehr reicher Kunde. Er war bei der NASA tätig und sprach jedenfalls von einer Gruppe von ungefähr zwanzig Personen, die eine Ausbildung oder ein bestimmtes Programm abgeschlossen hatten und denen er zum Abschied jeweils einen silbernen Astronauten-Anhänger schenken wollte, einen „Iced Out Astronaut Pendant 925 Silver“, mit einem regulären OG-Retailpreis von $480 pro Stück. Zu diesem Zeitpunkt hatte er hier und da bereits kräftig Geld bei Diego ausgegeben, also war dies nur einer seiner side gigs.
Jiu-Jiu schien asiatische Wurzeln zu haben und war mit Diego die dicksten Freunde, als sich herausstellte, dass er gleich zwanzig dieser teuren silbernen Astronauten-Anhänger kaufen wollte. Später wollte Diego ihn auch noch mit passenden Silberketten „hooken“ („I’ll hook you up“ ist eine von Diego in diesem Zusammenhang häufig verwendete Redewendung). Sie waren die allerbesten Freunde, doch als Diego einmal scherzhaft als Reaktion auf Jiu-Jiu einen dieser asiatischen Kampfsport-Rufe aus Hollywoodfilmen — „Hiii-yah!“ — nachmachte, erklärte Jiu-Jiu würdevoll, dass er doch gerne mit kulturellem Respekt behandelt werden wolle.
Diese „Liebesaffäre“ ging wochenlang weiter, bis auch hier plötzlich ein deutlicher Knick kam und Jiu-Jius letzter Kommentar im Chat dieser war: [siehe Screenshot]. Und damit war wieder ein treuer La Familia-Kunde verschwunden, der nie mehr zurückkehren sollte:

Dayati
Auch den Namen „Dayati“ habe ich etwas verändert, sodass manche Leute aus dem Chat ihn noch erkennen werden, der Mann ansonsten aber anonym bleibt. Das war wieder so ein merkwürdiger Nebenstrang in der ganzen Soap rund um Diego. Auch dieser Mann war „steinreich“ und kaufte viel. Plötzlich hatte er ein Auge auf Valentina geworfen. Damals war sie noch lediglich als Diegos Assistentin bekannt, neben den Live-Hosts Lino & Logan also. Eine blonde, langhaarige Frau mit dunklen Augen und gesträhntem, von Natur aus jedoch dunklem Haar. Genau wie Diego war auch sie die ganze Zeit nur eine Stimme gewesen und außerdem Mitarbeiterin in der WhatsApp-VIP-Gruppe, doch Dayati war offenbar plötzlich der Meinung, er könne Valentina an Land ziehen und Geld und Geschenke seien dafür das erfolgversprechende Mittel.
Er ließ Diego mit teuren, dicken Silberketten kommen und verlangte dabei allerdings, dass Valentina ins Bild kommen müsse, um sie um den Hals zu präsentieren. Die Atmosphäre im Chat und drum herum wurde für mich einige Wochen lang geradezu bedenklich. Es wirkte beinahe so, als würden plötzlich „Damen gehandelt“. So weit ging es zum Glück nicht, aber Valentina tat, worum sie gebeten wurde, und erschien tatsächlich mehrfach im Bild, mit tief ausgeschnittenem Dekolleté und engen Tops, während sie flirtende Küsschen in Richtung Kamera verteilte und Dayati damit offenbar einen Finger — aber nicht die ganze Hand — reichte, ganz so, wie Diego das zuvor auf seine Weise getan hatte. Sie ließ ihr Haar elegant durch die Luft um sich herumfallen und posierte in allerlei Haltungen für den fordernden Dayati. Das ging so weit, dass es tatsächlich für einen kurzen Moment so wirkte, als wäre sie nun bereits seine Freundin und er hätte also „Erfolg gehabt“. Zu einem anderen Mann im Chat sagte er am Sonntag, dem 28. Juni 2026, sogar herrisch: „No I already got her… She mine chat.“
Und während bei all dem Geld für Geld verkauft wurde — siehe die nächste Zwischenüberschrift, denn auch das passiert in dieser Show —, sagte er, Diego solle doch einfach einen Stack herausziehen und ihn Valentina als Trinkgeld geben. Auch Lino, die weibliche Co-Host neben Diego, durfte seiner Meinung nach einen Griff in den Dollar-Stack machen. Lino blieb übrigens stets ganz bewusst außerhalb des Bildes. Einmal schwenkte Diego seine Kamera herum, doch als sie auf sie gerichtet war, verdeckte sie schnell ihr Gesicht. Ich schaffte es trotzdem noch, einen Screenshot zu machen (berufliche Deformation, ich erwähnte es bereits).




Sehr, sehr groß war meine Überraschung, als sich erst Monate später herausstellte, wie die Dinge tatsächlich lagen — oder sagen wir, um auf der sicheren Seite zu bleiben: ganz anders. Valentina war kein „Freiwild“, sondern stellte sich … laut Diego als seine wife heraus. Jedenfalls! Plötzlich sprach Diego bei eBay Live von seiner Frau und zeigte sogar ein paar Fotos von sich und Valentina auf seinem Handy, in einer strike-a-pose-Pose, die ich durchaus als „sexy“ einstufen würde. Davon machte ich natürlich wieder Screenshots; das war am 2. August 2026. Diego hatte Dayati also all die Zeit über — zumindest soweit es im Chat und in der WhatsApp-VIP-Gruppe sichtbar war — in keiner Weise klargemacht, dass Valentina nicht Single war. Für mich lag daher die Schlussfolgerung nahe, dass er mit seiner wife Valentina meinte.
Auch der sehr gute Kunde Dayati verschwand kurze Zeit später aus dem familia-Bild. Ich habe nicht versucht nachzuprüfen, ob Valentina tatsächlich Diegos Frau ist.


Foto 1: Diego zeigt bei eBay Live Foto(s) von Valentina und sich selbst.
Foto 2: Diego und Valentina gemeinsam im Bild während eBay Live.
Im Angebot
Was OG Jewelers während eBay Live anbietet, ist erheblich vielseitiger, als man es von einem gewöhnlichen Juweliergeschäft erwarten würde. Damit komme ich zum zweiten Standbein dieses Familia-Blogs: den Produkten und Verkaufsformen selbst. Von Gold, Silber und Uhren über Süßigkeiten und Stapel von Banknoten bis hin zu den sogenannten Breaks: Auch hier wird schnell deutlich, dass OG Jewelers die Grenzen eines gewöhnlichen Juweliergeschäfts weit hinter sich lässt.
The usual: Gold- und Silberschmuck, mit oder ohne Diamanten, Edelsteine oder Emaille besetzt (Ketten, Anhänger, Ohrringe, Armbänder usw.), aber auch Bullion, Münzen, Silber- und Goldschrott, Gold- und Silberbarren und mehr





Lose Diamanten und lose andere Edelsteine
Selbsterklärend.
Penny Drops
Ein Penny Drop ist im Grunde ein kleines Giveaway innerhalb der Live-Show: Ein echter Artikel mit normalem Verkaufswert wird für nur wenige Cent angeboten. Wer es am schnellsten schafft, „Max Bid“ nach rechts zu schieben, gewinnt. Dabei gilt also nicht ganz: gleiche Bedingungen für alle, denn tatsächlich gewinnt derjenige mit der schnellsten Internetverbindung und der schnellsten Reaktionszeit. Meist bleiben dafür nur drei Sekunden, manchmal höchstens zehn, und die Uhr wird beim Bieten nicht verlängert, wie es bei normalen Auktionen der Fall ist. Der Gewinner zahlt für das Produkt selbst also praktisch nichts und höchstens die üblichen Versandkosten, sofern diese anfallen. Solche Penny Drops kommen in den eBay Lives, die ich verfolge, während einer mehrstündigen Sendung meist nur ein- oder wenige Male vor. Die verschenkten Artikel können dabei durchaus einen beträchtlichen Wert haben, manchmal sogar bis zu mehreren Hundert Dollar.
Ich selbst versuchte regelmäßig mitzumachen, aber manchmal waren die drei Sekunden schon vorbei, bevor ich überhaupt die Chance hatte, den Bid-Slider zu bewegen. Und außerdem: Mit einer langsameren Verbindung als der schnellste Bieter startet man dabei schlicht mit einem Nachteil.
(Rolex, AP …) Wanduhren



Dollars fresh & crispy
Nein, das ist kein Scherz, und vielleicht werden Sie dabei doch kurz stutzen. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit verkauft Diego Dollarnoten, frisch und crisp, also in originalen Bankbündeln und laut Diego direkt von einer Federal Bank stammend. Das kann man sich ungefähr so vorstellen: Fast jeder bei eBay Live bezahlt mit einer Kreditkarte. Auch manche Debitkarten bieten in den USA Cashback oder andere Rewards, doch Kreditkarten sind in dieser Hinsicht meist attraktiver. Der Vorteil einer Debitkarte wiederum besteht darin, dass das Geld direkt vom Konto abgebucht wird und man sich somit keine Dinge mit Geld aneignen kann, das man möglicherweise noch gar nicht hat. Bei einer Kreditkarte ist es selbstverständlich wichtig, die nächste Abrechnung vollständig zu begleichen. OG/Diego bietet ein Bündel Bargeld an, Sie bieten etwas darüber, sagen wir $2350 für ein Paket mit $2000 in Zwei-Dollar-Scheinen, und zahlen zusätzlich noch $10 Shipping plus Tax. Etwa eine Woche später bekommen Sie dann ein Paket „wie jedes andere“ geliefert, nur dass darin tatsächlich Bargeld steckt: voilà, Ihr Bankautomat frei Haus, maßgeschneidert geliefert.
Und hier wird es „pikant“. Diego hat während eBay Live mehrfach komplette Stapel nagelneuer, crisp $2-Scheine verkauft, in den originalen Bündeln, wie sie von der Bank kommen. Dabei handelte es sich nicht um seltene oder gegradete Sammlerbanknoten, sondern um ganz gewöhnliches, aktuelles US-Bargeld, das zum Nennwert ausgegeben werden kann. Eines der Pakete, das ich mehrmals vorbeikommen sah, bestand aus $2.000 in $2-Scheinen. Das scheint in direktem Widerspruch zu eBays eigener Collectible Currency Policy zu stehen. Dort heißt es:
“Listings for current, exchangeable, ungraded currency from any country worldwide cannot exceed $1,000 in value, whether in a single listing or in a combination of multiple listings.”
Mit anderen Worten: eBay setzt für solches gewöhnliches, einlösbares und ungegradetes Bargeld eine Obergrenze von $1.000 fest. Ein Paket mit $2.000 in gewöhnlichen $2-Scheinen entspricht genau dem Doppelten dieses Limits. Zudem scheint dies keine Regel zu sein, die für eBay Live außer Kraft gesetzt werden könnte. Laut eBay müssen Verkäufer bei eBay Live ebenfalls die allgemeinen Vorschriften für verbotene und eingeschränkte Artikel einhalten.
Ich habe mehrere Screenshots solcher Verkäufe aufbewahrt. Unten sehen Sie sowohl ein Beispiel für die von OG angebotenen $2.000 in $2-Scheinen als auch die entsprechende Passage aus eBays eigener Richtlinie.



Übrigens verteilt Diego Dollar auch regelmäßig als Giveaways; so legt er zum Beispiel den ersten zehn Käufern einen „lucky“ Zwei-Dollar-Schein bei, und die Leute bitten ihn dann immer wieder, ihn zu unterschreiben. Bei den Giveaways geht es häufig um Beträge zwischen 40 und 500 Dollar, und Diego erwähnte mehrmals, dass diese von eBay selbst finanziert würden beziehungsweise werden. Das kann ich natürlich nicht überprüfen. „Should we do a Give-away? Should we? I don’t know, OG. I don’t know.“ (ein häufig gehörter Satz von Diego)


Candy
Nur ganz gelegentlich verkauft Diego auch Candy oder etwas anderes, das nicht in die Kategorie Metalle und Edelsteine fällt. Einfach nur zum Spaß. Da ich bereits ein Silberkettchen gekauft hatte, konnte ich auf diese sauren Gummies bieten; die zusätzlichen Versandkosten betrugen nur noch 1 Dollar.
Uhren
















Was Uhren betrifft, kommen bei OG Jewelers so ziemlich alle berühmten und hochpreisigen Marken vorbei, aber eben auch die günstigsten aus dem „immerhin noch zuverlässigen Segment“, wie Invicta und Casio. Bei den teureren Marken — Rolex, Audemars Piguet (AP), Patek Philippe, Cartier, Omega, Vacheron Constantin und Breitling, um nur einige zu nennen — handelt es sich bei OG Jewelers häufig um Aftermarket-Uhren, einen bei OG sehr zentralen Begriff. Gemeint sind damit Veränderungen, die nicht vom ursprünglichen Uhrenhersteller selbst, sondern nachträglich von Dritten wie OG Jewelers vorgenommen wurden, etwa das Hinzufügen von Diamanten. Diese customized Aftermarket-Uhren kommen nach einer solchen Bearbeitung nicht mehr für eine Authentifizierung durch eBay infrage. Und genau das ist nun einmal eine große Spezialität von OG Jewelers: das Besetzen der Lünette und manchmal auch des Armbands mit Diamanten. Dadurch wird eine solche Uhr wegen der hinzugefügten Diamanten und der erforderlichen Juwelierarbeit zwar teurer in der Herstellung, meiner Ansicht nach aber hinsichtlich ihres tatsächlichen Marktwerts eher weniger wert, weil das ursprüngliche Modell dadurch verändert wird.
Hinzu kommt, dass solche iced-out-Bearbeitungen, wenn sie von einem erfahrenen Juwelier ausgeführt werden, kleinere Beschädigungen oder Unvollkommenheiten an Teilen der Uhr dem Blick entziehen können. Das muss selbstverständlich nicht der Zweck einer solchen Bearbeitung sein, macht den ursprünglichen Zustand der Uhr für einen Käufer jedoch schwieriger zu beurteilen.
Für einen Juwelier ist eine solche Bearbeitung also sowohl arbeitsintensiv als auch potenziell profitabel, für den Kunden dagegen — so fantastisch er all den Bling-Bling vielleicht auch findet; vereinfacht gesagt gibt es hier Haters und Lovers und beinahe nichts dazwischen — wird der Kauf auf jeden Fall ein gutes Stück unsicherer. Passend dazu sah ich in der WhatsApp-VIP-Gruppe, als Kunden dort noch tatsächlich antworten konnten, einige Male Meldungen von Kunden, dass ein Stein aus ihrer Uhr oder ihrem Ring gefallen sei. Dabei beklagten sie sich auch darüber, dass der Kundenservice von OG einfach nicht reagierte. Jedenfalls mussten sie erhebliche Mühe auf sich nehmen, um Ersatz oder Hilfe zu bekommen.
Pokémon und verwandte Karten



Das war nur während eines kurzen Abschnitts des Zeitraums der Fall, den dieser Blog umfasst.
Überraschungsboxen mit garantiertem Wert
Hier können die Teilnehmer von eBay Live auf Boxen mit einem bestimmten garantierten Wert bieten, ohne zu wissen, was sie bekommen werden. In meinem Beispiel ging es um Rolex-Uhren, und diese wurden tatsächlich von einigen Personen blind gekauft. Das ist von eBay erlaubt, doch hier gibt es eine mögliche Komplikation: Da OG Jewelers fast immer pre-owned Rolex-Uhren verkauft, die zum weitaus größten Teil nachträglich zu den bereits erwähnten iced-out-Exemplaren umgearbeitet werden, haben wir es hier häufig mit den schon genannten Aftermarket-Uhren zu tun. Dadurch muss sich die Wertgarantie — in einem solchen Fall vielleicht $15.000 — auf das Vertrauen und die eigene Recherche des Käufers stützen, sofern es sich tatsächlich um Aftermarket-Rolex-Uhren handelt. Von diesen Verkäufen hatte ich keine Screenshots der späteren Enthüllung gemacht, sodass ich bei diesen beiden Fällen nicht mehr feststellen kann, ob es tatsächlich Aftermarket-Rolex-Uhren waren:





Überraschungsboxen, aber mit einem deutlich stärkeren Glücksspielelement
Auch hier bieten die Leute, doch das Glücksspielelement ist um ein Vielfaches größer. Im unten gezeigten Beispiel geht es um Tennis Bracelets, deren von Diego angegebener beziehungsweise behaupteter Wert zum Beispiel zwischen $200 und $300 bis hin zu $600 lag. Es gab jedoch einen lucky Gewinner mit einem Tennis Bracelet aus 10K Gold mit Natural Diamonds, das laut Diego einen Wert von rund $20.000 hatte. Diesen Betrag muss ich aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
Auf Grundlage meiner geschätzten 700 Beobachtungsstunden habe ich stark den Eindruck, dass Diego bei solchen Bewertungen gewöhnlich ziemlich genau an die äußerste Obergrenze dessen geht, was noch einigermaßen plausibel klingt.
Hier wird sofort etwas Wichtiges deutlich. Die Leute beginnen zu bieten, und fast immer gibt es ein oder zwei Personen — jedenfalls wieder nach meiner Beobachtung —, die immer mehr Plätze reservieren beziehungsweise kaufen, weil dadurch ihre Chance auf den Hauptpreis steigt. Und mathematisch stimmt das an sich auch: Mehr Spots bedeuten eine größere Chance. Doch genau darin liegt die Falle. Eine größere Chance ist noch lange keine Sicherheit, und je mehr Spots jemand kauft, desto stärker kann der ausgegebene Betrag völlig außer Verhältnis zu der zusätzlichen Gewinnchance geraten, die er sich damit erkauft. Und dann passiert natürlich genau das: Jemand, der „nur“ einen oder zwei Plätze (Boxen) gekauft hat, zieht am Ende mit dem behaupteten High-Value-Preis davon. Davon habe ich inzwischen wirklich buchstäblich viele Beispiele gesehen.
Und erst recht bei dem Abschnitt, der gleich folgt, über die sogenannten Breaks mit den angeblich sündhaft teuren AP- und anderen Uhren. Leute, die buchstäblich rund $5K–6K oder sogar noch mehr für eine ganze Reihe von Boxen ausgegeben hatten, mussten dann trotzdem bedröppelt mit ansehen, wie irgendein Hans im Glück mit seinem einen Spot — oder vielleicht zwei Spots — den Hauptpreis abräumte. Und auch hier gilt wieder die „Aber“-Einschränkung. Behauptete Werte von rund $20.000 und, im Fall von AP-Uhren, häufig etwa $49.999 (eine Summe, die ich bei den AP-Uhren immer wieder auftauchen sah), sind genau das: behauptete Werte.
Hier ergibt sich jedoch schon das nächste Problem mit eBays eigenen Regeln. Mystery Boxes sind bei eBay Live erlaubt, doch eBay legt ausdrücklich fest, dass dabei kein Artikel mit einem besonderen Geld- oder Sammlerwert hervorgehoben werden darf, es sei denn, dieser Artikel ist bei jedem Kauf enthalten. In diesem Fall gab es jedoch gerade einen klar herausgehobenen Hauptpreis unter vielen deutlich niedriger bewerteten Tennis Bracelets. Die Teilnehmer boten viele Hundert Dollar auf einzelne Boxen, ohne zu wissen, welches Bracelet sie erhalten würden. Damit ähnelt die Konstruktion stark genau jenem Glückselement, das eBay Live ausdrücklich verbietet: für die Chance auf einen außergewöhnlich wertvollen Artikel zu bezahlen, statt für einen im Voraus klar beschriebenen Kaufgegenstand.











eBay-Grundsatz zu Glücks- und Gewinnspielen
eBay-Live-Grundsatz
Intermezzo: OG/Diego setzt Constantia (mich) regelmäßig auf mute (bannt sie aber nie) und blockiert sie auf Instagram
Es ist bereits einige Male zur Sprache gekommen: die OG/Diego-Mutes. Snow Gal bemerkte es, ich bemerkte es, und es gab auch andere, die zum Beispiel in der WhatsApp-Gruppe, als das dort noch möglich war, fragten beziehungsweise meldeten, ob sie in der Live-Show überhaupt noch gesehen würden, weil auf ihre Nachrichten konsequent nicht reagiert wurde. Was mich selbst betrifft, bemerkte ich immer wieder, dass ich offenbar auf mute stand; ganz selten wurde ich plötzlich wieder von mute genommen, oder es stellte sich heraus, dass das bereits geschehen war, denn dann kam auf einmal doch eine Reaktion im Chat. Und glauben Sie mir: Ich fragte wiederholt ausdrücklich, ob irgendjemand meine Nachrichten sehen könne. Irgendwann fiel sogar physisch auf, dass meine Nachrichten nicht mehr durchkamen. Das bemerkte ich daran, dass, sobald ich bei meiner Reaktion auf „Send“ drückte, ein sich drehender kleiner Kreis erschien, als würde eBay nachdenken. Und offenbar war das auch so, denn anschließend verschwand meine Reaktion im Reich der Ungesehenen. Während meine Nachrichten im normalen Mute-Fall für mich selbst noch sichtbar gewesen waren, verschwanden sie beim „drehenden Kreis“-Fall vollständig. Ich hatte mich mit den Mutes längst abgefunden und war und blieb bis zum heutigen Tag, inzwischen seit vielen Monaten, eine nahezu völlig schweigende Beobachterin. Mir war längst klar, dass Diego hier nach seinen eigenen Launen schaltete und waltete — oder, wenn man es objektiver ausdrücken möchte: nach seinen eigenen Einschätzungen.
Doch im Juli 2026 geschah etwas, das dennoch auffällig war. Zwischen Diego und mir hatte es nie — weder vor noch hinter den Kulissen — einen Zusammenstoß gegeben, außer dass ich ihm hin und wieder per Instagram-DM mitteilte, dass ich offenbar schon wieder auf mute stand. Im Gegenteil: OG/Diego folgte mir anfangs auf Instagram sogar zurück und likte mein Insta Reel darüber, wie ich bei seinem eBay Live die Candy gewann. Monate später verschwand er jedoch als Follower. Ich hatte den Eindruck, dass dies ungefähr zu dem Zeitpunkt geschah, als er auf Instagram vor allem noch den wirklich großen Spielern zurückfolgte. Hinter den Kulissen blieb er mir gegenüber in unseren wenigen Kontakten gefühlsmäßig immer ein völlig anderer Mensch: eher — so unglaublich das auch klingen mag — sehr ruhig und sogar etwas gedrückt wirkend.
Im Mai 2026 likte er noch einige Beiträge von mir, und im Juni fiel mir plötzlich auf, dass sein OG-Jewelers-Account verschwunden war. Für kurze Zeit war das tatsächlich so; ich überprüfte es in einem anonymen Browser. Im Juli stellte sich dann heraus, dass er wieder da war — nur nicht für mich: Ich war blockiert. Und das war und ist für mich doch unverständlich, da ich nur sporadisch mit ihm im Instagram-Chat gesprochen hatte und der Ton dabei schlicht freundlich gewesen war. Einige meiner Beiträge hatte er sogar gelikt. Ich hatte mir also ganz sicher nichts zuschulden kommen lassen, außer — sofern man das überhaupt so nennen will — meinen Fragen dazu, dass ich offenbar gemutet worden war. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Über den Grund kann ich daher nur spekulieren. Für mich ist das ein wenig lästig, weil ich nun die eigentlichen Updates auf Instagram nicht mehr ansehen kann. Man sieht nur noch eine Vorschau der ersten Posts, doch danach verlangt Instagram sofort, dass man sich einloggt, und dann ist für mich endgültig Schluss. Im ersten Screenshot sprach ich noch über etwas anderes: Der gesamte Chat war für kurze Zeit nicht sichtbar.


Diego/OG und Constantia auf Instagram: Das erste Like in Form eines Herzchens kam hier von Diego.
„Breaks“, aber nicht im Sinne von Trading Card Breaks






































































Die Breaks bilden den Schlusspunkt in dieser illustren Reihe von OG Jewelers. Dieser vorläufige Höhepunkt der „Pioneers of Jewelry Live Auctions“ — Zitat vom 9. September 2026 aus ihrem Instagram-Profil —, mit dem OG Jewelers und Diego eBay Live nach eigenen Angaben „revolutioniert“ haben (auch das stand zuvor in ihrem Instagram-Profil), beginnt mit einer ziemlich umfangreichen Galerie. Eine Beruhigung für Sie: Sie müssen sie nicht anklicken. Aber Sie dürfen natürlich sehr gerne.
Warum ich mich diesmal für so viele Screenshots entschieden habe, liegt daran, dass ich neben dem ganzen Phänomen auch einiges aus „dem Chat“ zeigen möchte. Ich lasse also ausdrücklich auch die Teilnehmer selbst zu Wort kommen. Schon daraus wird die erhebliche Verwirrung deutlich, die von Anfang an darüber herrschte und bis heute herrscht, wie das System nun eigentlich genau funktioniert. Und dabei kann ich Sie nicht vollständig beruhigen. Das Ganze ist, ob beabsichtigt oder nicht, ziemlich undurchsichtig. Auf jeden Fall handelt es sich ganz offensichtlich um etwas Casinoartiges. Mein sehr deutlicher Eindruck ist, dass eine Mehrheit der Teilnehmer das Ganze wegen seiner geradezu unerträglichen Langsamkeit von Herzen hasst. Kürzere Break-Sessions kommen vor, doch nach meinen Beobachtungen dauert der Prozess gewöhnlich etwa drei Stunden, geht regelmäßig in Richtung vier Stunden und manchmal sogar darüber hinaus.
Diego kam damit ungefähr in der dritten Augustwoche 2026 plötzlich um die Ecke. Der neueste eBay-Live-Gig war ein sogenanntes Break-Format. Der Begriff Break stammt ursprünglich vor allem aus der Welt der Trading Cards, wo Teilnehmer einen Spot in einem Box-, Pack- oder Case-Break kaufen und der Inhalt anschließend live geöffnet und verteilt wird. Diego scheint den Begriff erheblich erweitert zu haben: Bei OG wird keine traditionelle Kartenbox „gebreakt“, sondern Break bezeichnet das selbst entwickelte System aus Geboten, Spins, Casios, goldenen Boxen und einem angeblich äußerst wertvollen Hauptpreis.
Mitten im Bild erschien plötzlich ein Computerbildschirm mit geheimnisvoll vielen blinkenden Kästchen, einem laufenden Neon-Schriftband und so weiter. Ich kam etwas später dazu und hatte die Erklärung verpasst. Ich verstand wirklich überhaupt nichts, stellte aber fest, dass ich damit nicht allein war. Ein Mitarbeiter von OG Jewelers sagte, er habe das Break-Spiel selbst programmiert. Das erklärte diese Person, die während der Breaks zugleich als Moderator fungiert, selbst im Chat. OG bot das Break-Spiel immer häufiger an und bemerkte inzwischen offenbar auch, dass viele Leute überhaupt nicht verstanden, wie es funktionierte. Deshalb wurde während der Show immer häufiger eine Erklärung gegeben. Aber selbstverständlich kommen bei einem solchen eBay Live ständig neue Leute hinzu, sodass das fortwährende Erklären ein wenig so ist, als würde man den Boden wischen, während der Wasserhahn offensteht.
Viele Liebhaber teurer Uhren wollen unbedingt die AP (oder etwas Vergleichbares) gewinnen und bieten manchmal viele Tausend Dollar, um möglichst viele Spots zu ergattern, was ihnen noch immer keinerlei Garantie gibt, tatsächlich zu gewinnen.
Jedes Break-Spiel besteht nämlich meist aus fünf Runden mit jeweils maximal zwanzig Auktionen/Spins. Vor jedem Spin wird zunächst separat geboten; der Höchstbietende kauft damit einen Spot und erhält anschließend einen Spin am digitalen Rad. Dieses Rad hat zwanzig Felder: achtzehn blaue Kreuze, die für eine billige Casio-Uhr stehen, und zwei goldene Boxen. Würden alle fünf Runden vollständig bis zu zwanzig Spots ausgespielt, gäbe es bei hundert Spots also neunzig Casios als Trostpreis für die weniger glücklichen Spinner (es sei denn, es handelt sich um Sadomasochisten). Doch so weit kommt es meistens nicht: Eine Runde endet, sobald beide goldenen Boxen gefallen sind. Über fünf Runden hinweg gibt es insgesamt zehn goldene Boxen zu gewinnen. Neun davon enthalten gewöhnlich einen Preis mit einem von OG behaupteten Wert von grob $400 bis $800 — zum Beispiel eine Uhr oder Kette —, während eine goldene Box den eigentlichen Hauptpreis enthält: eine wesentlich teurere Uhr, häufig eine AP, für die OG/Diego in der Regel einen Wert von ungefähr $40.999 bis $59.999 angibt.
Was diese Casios betrifft, bleibt Diego meistens vage. Während des eBay Live liegt rechts als Beispiel eine davon im Bild, und dank einer — für die Zwecke dieses Blogs — sehr aktuellen Frage eines Chatteilnehmers, auf die Diego ausnahmsweise einmal eine konkrete Antwort gab, nämlich: F91W Casio, konnte ich nachsehen, was Google über den Preis zu berichten hatte. Google kam mir in größter Eile entgegengerannt, um mitzuteilen, dass SHEIN genau diese Uhr zu diesem Zeitpunkt in einer Aktion für $7,50 anbot. Selbst die Stimmen im Chat, die ebenfalls bereits recherchiert hatten und das Ding meist auf zwischen $25 und $30 schätzten, erwiesen sich damit als zu optimistisch.
Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass zwar durchaus Spots für unter $100 verkauft werden, viele Gebote am Ende jedoch weit darüber hinausschießen. Die ersten bleiben meist unter hundert Dollar, doch je mehr blaue Kreuze bereits gefallen sind und die goldenen Boxen auf sich warten lassen, desto schneller steigen die Beträge: auf $250, $500 und manchmal sogar $1.000. Ja, die Leute bieten tatsächlich $500 oder $1.000 für einen solchen „seltenen Spin“, wenn der betreffende Break fast voll ist (klicken Sie ruhig einige der Screenshots an).
Wann eine solche goldene Box fällt, weiß vorher niemand — zumindest sofern das System tatsächlich random funktioniert. Gerade deshalb kann sich eine solche Runde endlos hinziehen. Nicht nur muss sich das Rad jedes Mal erneut drehen, sondern vor jedem Spin findet zunächst wieder eine vollständige Auktion statt, und auch die nimmt jedes Mal beträchtlich Zeit in Anspruch. Es kommt regelmäßig vor, dass das Rad beispielsweise fünfzehnmal hintereinander auf einem blauen Kreuz landet, bevor endlich eine goldene Box erscheint.
Berechnung von ChatGPT:
Manchmal fallen die beiden Gold Boxes schon früh, und eine neue Break-Runde kann sofort beginnen; manchmal dauert es dagegen fast alle zwanzig Plätze. Über viele Runden hinweg gleicht sich dieser Unterschied jedoch aus: Bei zwei zufällig verteilten Gold Boxes fällt die zweite im Durchschnitt ungefähr auf Platz 14. Dadurch bleibt die durchschnittliche Dauer der Runden letztlich recht vergleichbar. Um schließlich alle zehn Gold Boxes zu erreichen — von denen also nur eine den eigentlichen Superpreis enthält — muss die Maschine im Durchschnitt etwa siebzigmal gedreht werden.
Und was hält eBay nun davon: Ist eBay vielleicht zu einem Online-Casino geworden?
eBay ist in seinen eigenen Regeln erstaunlich eindeutig, was Glücksspielelemente bei eBay Live betrifft. In der deutschen Fassung heißt es: „Bei eBay Live-Events sind keine Angebote oder Verkäufe erlaubt, in denen der Gewinn eines Artikels nach dem Zufallsprinzip oder im Rahmen eines Wettbewerbs erfolgen.“ Dabei nennt das Unternehmen nicht nur Wettbewerbe, Lotterien, Verlosungen und Gewinnspiele, sondern auch Verkäufe, bei denen lediglich die Chance geboten wird, einen Artikel zu gewinnen, anstatt einen klar definierten Kaufgegenstand zu erwerben. Das scheint sich zumindest nur schwer mit dem vereinbaren zu lassen, was hier geschieht. Schließlich bietet der Teilnehmer Geld für einen Spot, woraufhin ein Computer nach dem Zufallsprinzip bestimmt, wo dieser Spot landet. Der Zufallsfaktor ist also keineswegs nebensächlich: Er entscheidet letztlich darüber, ob jemand bei einer der Gold Boxes landet und damit die Chance auf den Superpreis erhält.
eBay kennt zwar eine Ausnahme für sogenannte Case, Box und Pack Breaks, allerdings nur für vorab zugelassene Verkäufer. Auf eBays eigener Informationsseite wird zudem deutlich, was die Plattform unter solchen Breaks versteht: Card Breaks, bei denen Packs oder Boxen mit Trading Cards geöffnet werden und die Teilnehmer Spots kaufen, die beispielsweise für Teams, Spieler, Charaktere oder Ligen stehen. Das Wort Break macht eine zufällige Preisziehung also noch nicht automatisch zu einem solchen erlaubten Break. Man kann eine Konstruktion nicht policy-konform machen, indem man sie einfach „Break“ nennt, wenn sie inhaltlich weiterhin auf einem Zufallsmechanismus beruht.
eBay Live – Fragen & Antworten: Erklärung zu Case Breaks
Auch eBays Ausnahme für Mystery Boxes bietet nicht ohne Weiteres einen Ausweg. Laut eBay darf dabei kein Artikel mit besonderem Geld- oder Sammlerwert hervorgehoben werden, es sei denn, dieser Artikel ist bei jedem Kauf enthalten. Gerade bei einem System, bei dem ein außergewöhnlicher Superpreis über einer großen Zahl wesentlich bescheidenerer Ergebnisse schwebt, wird auch diese Bestimmung relevant.
Ob eBay OG Jewelers für genau dieses spezielle Format eine gesonderte Genehmigung erteilt hat, kann ich nicht feststellen. Doch gemessen an eBays öffentlich zugänglichen Regeln lässt sich schwer bestreiten, dass die Konstruktion sowohl mit dem Wortlaut als auch mit der erkennbaren Absicht von eBays eigenen Regeln gegen chance-based sales auf erhebliche Spannung stößt.
Grundsatz zu eBay Live
Grundsatz zu Glücks- und Gewinnspielen
Abschluss
Zur Abwechslung schaue ich mir auch mit einiger Regelmäßigkeit stundenlang andere eBay Lives an. Soweit ich dort beobachten konnte, laufen diese wesentlich konventioneller ab: gewöhnliche Auktionen, manchmal ergänzt durch einen Penny Drop oder ein kleines Giveaway, zum Beispiel eine Kappe. Dieselben auffälligen Verkaufsformen wie bei OG habe ich dort nicht gesehen — keine Candy, keine großen Stapel von Banknoten, die weiterverkauft werden, keine Giveaways über Hunderte Dollar, keine Mystery Boxes und keine Breaks. Dabei muss allerdings angemerkt werden, dass ich diese anderen Lives deutlich seltener und jeweils wesentlich kürzer verfolgt habe; meine Beobachtungsstunden sind dort also bei Weitem nicht mit denen bei OG Jewelers vergleichbar.
Auswahl anderer eBay-Live-Shows, die ich mir gelegentlich ansehe:





eBay-Live-Seller, v. l. n. r.: Hemeisport, Vookum, Happy Jewelers, Mr Wikd (2×)
Unmittelbar nach der Veröffentlichung habe ich sowohl OG Jewelers/Diego als auch eBay über diesen Blog informiert und um eine mögliche Stellungnahme gebeten.







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